Bezirksgruppe Bergisches Land


Auf dem Hirtstein © Kay Boenig
Auf dem Hirtstein © Kay Boenig

BDF-Gruppen aus der Mark Brandenburg und dem Rheinland treffen sich im Erzgebirge

 

Dezember 2019

Zur gemeinsamen diesjährigen Exkursion ins Erzgebirge trafen sich im Juni die seit 28 Jahren befreundete BDF-Basisgruppe Lübben aus Brandenburg mit der BDF-Bezirksgruppe Bergisches Land aus Nordrhein-Westfalen. Diese Forstleute und ihre Partner/innen pflegen eine nachhaltigen Freundschaft, die ursprünglich aus dem Verwaltungsaustausch nach der Wende hervorgegangen ist:  Man trifft sich auch im 30. Jahr des Mauerfalls regelmäßig zu Exkursionen, Hubertusfesten oder auf der Jagd.

 

Die BDF Gruppe Lübben mit ihrer Vorsitzenden Bärbel Kuhlbrod war in diesem Jahr für das Programm zuständig. Unterstützt wurde sie durch Heiko Fritsche, der im Erzgebirge geboren ist. Überhaupt war dies für einige Brandenburger eine Reminiszenz an forstliche Lehrjahre im Erzgebirge.

 

Nach dem freudigen Wiedersehen der fast 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im gut ausgesuchten Hotel Drei-Brüder-Höhe bestiegen einige noch den Aussichtsturm mit einem tollen Panoramablick auf das wunderschöne Erzgebirge. Bei schönsten Wetter führte die Exkursion am Freitag durch die reizvolle Kulturlandschaft in den Forstbezirk Marienberg des Staatsbetriebes Sachsenforst mit seinem Leiter Ingo Reinhold. In Sachsen werden die ehemaligen Forstämter heute als Forstbezirke bezeichnet. Der Forstbezirk Marienberg wird von 14 Landeswaldrevieren und vier Privat- und Körperschaftswaldrevieren gebildet. Hier wird auch der Nichtstaatswald im Sinne der Daseinsfürsorge noch umfassend betreut. Die im Zuge der Kartellklage angekündigte Reorganisation der Forstverwaltung wurde im Hinblick auf die Wahlen zunächst zurückgestellt.

 

Die naturgemäße Bewirtschaftung wurde am Beispiel des Landeswaldreviers Heinzebank gezeigt. Die Anfänge dieser Wirtschaftsweise wurden hier bereits in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts durch Forstmeister Graser gelegt. Der naturnahe Umbau der Fichtenbestände in Weißtannen-Rotbuchen-Mischbestände in reizvoller Lage der Trinkwassertalsperren Neunzehnhain unter Beachtung der Naturschutz- und Wasserschutzaspekte fand ob der tollen Waldbilder einhelligen Zuspruch. Ebenso die Bewirtschaftung der Mittelgebirgs-Buchenwälder im Revier Olbernhau unter Beachtung der Aspekte des Weißtannenanbaus. Die aktuelle Auflösung der Fichtenbestände in den tieferen Lagen durch Borkenkäferbefall aufgrund des Klimawandel und des damit verbundenen Niederschlagsmangels war nicht zu übersehen und führt auch hier bereits zu vielfachen Hiebssätzen.

 

Gespannt war man auch auf den Zustand und die weitere Behandlung der ehemaligen Rauchschadensflächen im Revier Reitzenhain und Moorgebiet Hühnerheide. Die Kammwälder und Südhänge des Erzgebirges zum Egertal und dem Böhmischen Becken zählten in den 80er Jahren zu den am stärksten durch Luftschadstoffe betroffenen Wäldern in Mitteleuropa. Ursache war überwiegend der ungefilterte Ausstoß von Schwefeldioxid aus der Braunkohleverbrennung in Nordböhmen. Infolge Versauerung und Nährstoffverarmung starben die Fichtenwälder auf mehreren zehntausend Hektar. Die Blößen wurden damals mit vermeintlich rauchgastoleranten Nadelhölzern wiederbestockt. Blaufichte, Murraykiefer, Omorika und verschiedene Lärchenarten kamen zum Einsatz, um die Versteppung der Landschaft zu verhindern. Die politische Wende führte wie auch im westlichen Europa zur Installation von leistungsfähigen Filteranlagen in den nordböhmischen Kraftwerken, wodurch der Schwefeleintrag nachhaltig reduziert wurde. Mit den Auswirkungen der damaligen Ökokatastrophe werden sich die nachfolgenden Forstgenerationen gleichwohl befassen müssen. Nach intensiven, mehrmaligen Bodenschutzkalkungen wachsen heute vielfach wieder wüchsige Fichten und Buchenjungbestände zwischen den damaligen Ersatzbaumarten, welche durch Totholz, Kronenverlichtungen, Schneebruch und Windwurf gekennzeichnet sind.

 

Die Bewirtschafter stehen heute vor sich teilweise widersprechenden Nutzungsansprüchen. Die Hochlagen sind wichtiger Lebensraum für das empfindliche Birkhuhn, sollen aber auch Angebote für ganzjährigen Tourismus bieten, wie Skiloipen, Mountainbike-Trails und Premium-Wanderwege. Weitere wichtige Funktionen dieser Wälder sind der Trinkwasserschutz und die Hochwasserprävention. Besonders eindrucksvoll war zum Abschluss des Tages der Besuch der Basaltformation „Steinerner Palmwedel“ am Aussichtspunkt Hirtstein auf 890 m ü. NN, inmitten des hier sonst anstehenden Grundgesteins aus Gneis.

 

Aber auch der kulturelle Teil Geselligkeit und Kurzweil kamen nicht zu kurz. Es begann mit der Verkostung des Ebereschenbrandes vom Charakterbaum des Erzgebirges und verschiedenen Kräuterlikören in einer der traditionellen Schnapsbrennereien. Auch die Führung mit Einfahrt ins Besucherbergwerk Markus Röhling zur 500jährigen Bergbaugeschichte war sehr beeindruckend. Ein Höhepunkt war der Besuch der schönen Stadt Annaberg-Buchholz mit Ausblick vom Kirchturm der großen Annenkirche und der Marienkirche mit den zur Weihnachtskrippe gehörenden, fast lebensechten Holzfiguren aus dem historischen Alltag. Unter fachmännischer Anleitung konnte man die Förster auch bei der „Schwarzarbeit“ sehen: Crottorfer Räucherkerzen wurden eigenhändig hergestellt. Der Erzgebirger Heimatabend mit Musik und Gesang fehlte ebenfalls nicht.

 

Alle Teilnehmer aus dem Fläming und dem Bergischen Land danken dem Vorstand der Basisgruppe BDF Lübben mit Bärbel Kuhlbrod und Michael Lunkwitz sowie allen am Programm Beteiligten für die Organisation dieser tollen, lehr- und erlebnisreichen Exkursion. Nicht zuletzt trägt sie auch die länderübergreifende Verbundenheit und Freundschaft, sowie das Verständnis zwischen den alten und neuen Bundesländern weiter. Ferdinand Hermann/ Kay Boenig


Peter Meschede - wir wir Ihn kannten und schätzten © Volker Steinhage
Peter Meschede - wir wir Ihn kannten und schätzten © Volker Steinhage

Nachruf auf Peter Meschede

 

Dezember 2019

Der langjährige Leiter des Stadtforstamtes Remscheid Peter Meschede ist am 23.07.2019 im Alter von 79 Jahren für immer von uns gegangen. Trotz einer schweren Erkrankung kam sein Tod für uns überraschend. Peter Meschede wird uns als hervorragender Forstmann und als wunderbarer Mensch in Erinnerung bleiben.

 

Peter Meschede hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt – er war Forstschüler in Allagen, danach kurze Zeit in einem Großprivatwald beschäftigt, um im Kommunalwald seine dienstliche Berufung zu finden. Zunächst war er Hilfsförster im Stadtwald Köln, dann seit 1965 Revierförster im Stadtwald Remscheid. Aufgrund seiner Persönlichkeit und Führungsqualitäten wurde er Ende der 80er Jahre zum Forstamtsleiter des städtischen Forstamtes berufen, dem er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2005 vorstand. Damit wurde er in Personalunion auch Geschäftsführer des Forstverbandes Remscheid. Generationen von Kleinprivatwaldbesitzern stand er mit Rat und Tat stets zur Seite.

 

Als Chef war er aufgrund seiner Geradlinigkeit, seiner Erfahrung und Kompetenz und nicht zuletzt seiner ruhigen, einfühlsamen Art außerordentlich anerkannt und respektiert. Er war immer nah an seinen Leuten und hat ihre berufliche sowie zum Teil auch ihre private Entwicklung begleitet und mitgeprägt. Einigen war er ein väterlicher Freund und Ratgeber. Sein Wort galt etwas, bei Waldbesitzern, Forstkollegen und auch im Ehrenamt, wie beim Sauerländischen Gebirgsverein und eben auch im BDF. Denn Peter Meschede war ein BDF-Mitglied von Anfang an und ein engagierter, treuer Mitstreiter- er gehörte unserem Berufsverband über 50 Jahre an. Neben der fachlichen Entwicklung war ihm vor allem die Gewerkschaftsarbeit ein zentrales Anliegen.

 

Er hat deutliche Spuren im und an seinem Wald hinterlassen, die noch lange nachwirken werden. Viele der umfangreichen Erstaufforstungen in Remscheid sind in den 1970er und ´80er Jahren von ihm geplant und umgesetzt worden. Diese Wälder zeigen noch heute deutlich seine forstliche Handschrift und waldbauliche Weitsicht. Davon profitieren wir gerade heute in Zeiten der für alle spürbaren und dramatischen Klimaveränderung. Das hat uns immer an ihm beeindruckt und so wollen wir ihn in Erinnerung behalten - sein ausgleichendes Wesen, seine Geradlinigkeit, seine menschliche Zugewandtheit, seine natürliche Souveränität und sein feiner Humor. Besonders gerne erinnern wir uns an die vielen gemeinsamen Exkursionen mit der Bezirksgruppe Bergisches Land und der BDF-Basisgruppe Lübben-Luckenwalde, an denen er mit seiner Frau Hanneli bis zuletzt teilgenommen hat. Auch die stimmungsvollen Jagden, die er leitete, werden unvergessen bleiben.

 

Der Bund Deutscher Forstleute hat Peter Meschede viel zu verdanken.

Wir verneigen uns vor ihm und werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.

 

BDF – Bezirksgruppe Bergisches Land 

BDF – Bezirksgruppe Rhein - Ruhr

und im Namen der Kolleginnen und Kollegen des Stadtforstamtes Remscheid