Waldgebiet des Jahres 2019

Urbane Wäder Rhein / Ruhr

 

März 2019

Komm zur Ruhr - Einladung zur Auftaktveranstaltung

Wir sind stolz und froh, das Waldgebiet des Jahres 2019 bei uns zu wissen!

Um dem einen gebührenden Rahmen zu verleihen, lädt der BDF insgesamt und der Landesverband NRW ganz besonders ein zur Auftaktveranstaltung am 22. März 2019.

Liebe Kolleginnen und Kollegen an Rhein und Ruhr, wir haben Euch zum Thema und im Visier.

Seid dabei - macht mit!

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Einladung und Anmeldung
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"Tief im Westen, wo die Sonner verstaubt, ist es besser, viel besser, als man glaubt" (Herbert Grönemeyer)   Foto © Ute Messerschmidt
"Tief im Westen, wo die Sonner verstaubt, ist es besser, viel besser, als man glaubt" (Herbert Grönemeyer) Foto © Ute Messerschmidt

 

Du bist keine Schönheit

 

Januar 2019

Warum wir an Rhein und Ruhr das perfekte Waldgebiet des Jahres haben

 

Die Groß(stadt)region Rhein – Ruhr verbindet man gemeinhin nicht mit einem klassischen Waldgebiet. Herbert Grönemeyer erklärte schon 1985, warum die Wahl des Waldgebietes des Jahres 2019 genau ins (Kohlenstaub)Schwarze trifft.

 

Tief im Westen

Die Region wurzelt tief im Westen in unmittelbarer Nachbarschaft zu unseren europäischen Nachbarn, mit denen wir eine lange, gemeinsame Geschichte und eine seit vielen Jahren tatsächlich grüne Grenze teilen, die mittlerweile mehr verbindet als trennt.

 

Wo die Sonne verstaubt

Als Kinder von Eltern aus dem Kohlenpott haben wir in den Siebzigerjahren die Sonne tatsächlich noch verstaubt gesehen. Seit Beginn der Achtzigerjahre sprach alle Welt vom Waldsterben und dem Sauren Regen. Zwar kriselte die Kohle da schon seit zwanzig Jahren, die Folgen von Luftverschmutzung und Verkehr zeichneten die Städte jedoch immer noch. Die umliegenden Wälder sollten in ihren Ursprüngen die Luft reinhalten; mit dem „Entwicklungsprogramm Ruhrgebiet“ wurden seit 1968 Freizeitparks, Grünanlagen und Teichlandschaften geschaffen, um das Leben in den Städten lebenswerter zu gestalten.

 

Pulsschlag aus Stahl

Im Herzen Nordrhein-Westfalens liegt es, mit dem Land verbunden über Verkehrsadern, in denen täglich Millionen von Menschen in Bus, Bahn und Auto pulsieren und die Städte mit Leben erfüllen. Die Zeiten von Stahl, Eisen und Grubengold sind allerdings ein für alle Male vorbei. Allein zwischen 1976 und 1998 ging die Zahl der Beschäftigten in diesen klassischen Bereichen um 60% zurück.

 

Leider total verbaut

Schön war es nicht überall an Rhein und Ruhr, als Grönemeyer sein Lied sang. Kurze Zeit später läuteten die Impulse der IBA Emscher Park eine Zeitenwende ein. Mit der Route Industriekultur, moderner Architektur auf ausgedienten Zechenstandorten, dem Projekt Industriewald, touristischen Hotspots und alternativen Verkehrsstrukturen gelang es langsam und sicher, die Region aus der grauen Arbeitsecke ins Licht der Öffentlichkeit zu holen.

 

Nicht das große Geld

1979 stellte man altgediente Recken wie das Schiffshebewerk Henrichenburg in den wohlverdienten Ruhestand des ersten Museums für Industriekultur. Nur etwas mehr als zehn Jahre später zu Beginn der Neunzigerjahre nutzte die Region die Chancen des beginnenden Digitalisierungsbooms und bietet seitdem Platz für eine Vielzahl von Startups und Giganten dieser Branche.

 

Du bist keine Weltstadt

Doch, Rhein – Ruhr ist eine große Weltstadt, die Menschen aus über 200 Herkunftsländern Heimat, Leben und Arbeit bietet. Ausdruck fand diese Vielfalt unter anderem 2010 als Europäische Kulturhauptstadt mit tausenden Veranstaltungen. Die Menschen in der Region spiegeln die Geschichte ihrer Vorfahren und ihre eigenen Hintergründe und gelten als ungeschminkt, bescheiden und als ehrliche Haut.

 

Du Blume im Revier

130.000 Hektar Wald zwischen Bonn, Duisburg und Hamm liegen zwar nicht idyllisch am Stück, aber zur Freude und zum Nutzen der vielen, vielen Menschen mitten im Herzen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes. Dieser Wald gehört privaten Waldbesitzern, Kommunen, dem Land, wird bewirtschaftet von Eigentümern, eigenen Forstwirten, Dienstleistungsunternehmen, manchmal auch gar nicht.

 

Verstaubt, vergraut, verbaut, geliebt, gebraucht – viel besser als man glaubt, viel besser als man glaubt.

Ute Messerschmidt

 


Waldgebiet des Jahres 2019!

 

23.11.2018

Der Bund Deutscher Forstleute als Berufsverband und Gewerkschaft aller im Wald beschäftigten Menschen ruft zum achten Mal bundesweit ein Waldgebiet des Jahres aus. Die Urbanen Wälder Rhein-Ruhr werden für 2019 wegen Ihrer besonderen Bedeutung für die Menschen und für die Natur im Ballungsraum an Rhein und Ruhr mit dieser wichtigen Auszeichnung geehrt. Damit wird erstmals ein nordrhein-westfälisches Waldgebiet mit dieser Auszeichnung ins Blickfeld der Öffentlichkeit gehoben.

 

Erstmals fiel die Wahl des BDF Bundesverbandes dabei nicht auf einen bestimmten, eng abgegrenzten Waldkomplex mit seinen spezifischen Besonderheiten sondern auf einen ganzen Kulturraum mit vielfältigen Waldfunktionen, einer bunten Palette von Eigentümern, Nutzern und Interessierten.

 

Der Wald in Nordrhein-Westfalen wurde in den letzten Jahrhunderten durch den wirtschaftenden und gestaltenden Menschen zu einer intensiv genutzten Kulturlandschaft geformt. Gleichzeitig ist er aber auch der wichtigste Rückzugsraum für den Naturschutz. Das gilt in besonderem Maß im Ballungsraum Rhein/Ruhr. In der öffentlichen Wahrnehmung wird hier Waldbewirtschaftung oftmals als Frevel an der Natur empfunden. Freizeit- und Erholungsnutzung, Umweltbildung und Naturschutz treten in der Wertschätzung der Menschen an erste Stelle. Die Pflege des Waldes, die Verkehrssicherung und die Bedeutung des Rohstoffes Holz für die nordrhein-westfälische Wirtschaft und für das Einkommen der Waldbesitzer im Privatwaldland Nordrhein-Westfalen erfordern aber regelmäßige Eingriffe im Wald.

 

Forstliche Bewirtschafter in den Urbanen Wäldern RheinRuhr müssen daher neben ihrem forstfachlichen Können auch über besondere soziale Kompetenzen verfügen, wenn sie diesen Spagat zwischen allen geforderten Waldfunktionen meistern und in dieser Region erfolgreich agieren wollen. Sie benötigen Verständnis für urbane Ökosysteme, für Urbanität an sich, sowohl in sozialer als auch in ökologischer Hinsicht. Ein Verständnis für Akteure des urbanen Raumes und eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit, Dialogbereitschaft, Lernfähigkeit sind ebenso wichtig wie ein gutes Konfliktmanagement. Es geht um die Moderation von Gesprächen und Mediation bei Konflikten. Ihre Arbeit muss kommuniziert werden um alle Beteiligten in die Entscheidungen einzubeziehen. Hierzu sind Pressekompetenz und Marketing-Fähigkeiten gefragt. Nur dann gelingt die Zusammenarbeit und Kooperation aller Akteure. Wer da nicht mit Geduld, Neugier, Toleranz, Kritik- und Selbstkritikfähigkeit ausgestattet ist schafft es nicht, dieser spannenden Aufgabe gerecht zu werden.

 

Viele Akteure werden im Jahr 2019 die Bedeutung dieses ganz besonderen Waldgebietes Urbane Wälder RheinRuhr in zahlreichen Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Aktionen aufgreifen. Dabei wird deutlich, welch enorme gesellschaftliche Bedeutung der Wald in diesem Ballungsraum mit seinen 10,6 Mio. Menschen hat und welcher wichtigen Aufgabe sich die Forstleute stellen um den vielfältigen parallel gestellten Ansprüchen gerecht zu werden. R.N.