Auftaktveranstaltung Waldgebiet des Jahres 2019 am 21.05.2019
© Gerhard Tenkhoff

Auszeichnung Waldgebiet des Jahres 2019 überreicht

 

Festakt mit Forstleuten aus ganz NRW

Am 21. Mai erhielten die „Urbanen Wälder Rhein / Ruhr“ in Schwerte die Auszeichnung zum Waldgebiet des Jahres 2019. Dazu konnte der BDF Bundesvorsitzende Ulrich Dohle im historischen Festsaal des Gasthofes „Freischütz“ gut 170 Gäste begrüßen. Erschienen waren Forstleute aller Berufsgruppen und Waldbesitzarten aus ganz NRW - von der Eifel bis zur Weser – sowie interessierte Gäste.

 

Mit der Auszeichnung zum „Waldgebiet des Jahres“ würdigt der BDF die Leistungen der ordentlich arbeitenden Forstleute und Waldbesitzer, so Dohle in seiner Begrüßungsrede. Ziel der Ausweisung von Waldgebieten des Jahres, die nunmehr zum achten Mal erfolgt, sei, die Bedeutung der Wälder dauerhaft im öffentlichen Focus zu lassen. Man wolle die Menschen, die im Walde arbeiten, aus dem Schatten des Waldes herausholen. Die vielen Freizeitnutzungen zeugten davon, welchen Wert der Wald neben der Holznutzung hat. Mit den Urbanen Wäldern Rhein / Ruhr, also Wald in einem Ballungsraum, wurde nun ein Waldgebiet ausgezeichnet, in dem diese Freizeitnutzungen einen besonderen Schwerpunkt bilden. Auszeichnungsträger ist damit erstmals nicht ein eher kleines, abgeschlossenes Waldgebiet, sondern eine Kulturlandschaft.

 

Gemeinsam mit dem derzeitigen Landesvorsitzenden des BDF-NRW, Fred-Josef Hansen, konnte Dohle neben den am Programm beteiligten Gästen mit Kurt Offermann, Robert Jansen, Burkhard van Gember und Bernhard Dierdorf vier ehemalige Landesvorsitzende des BDF NRW begrüßen. Von befreundeten Gewerkschaften war der Vorsitzende der Landesvertretung Forst Nordrhein-Westfalen der IG BAU, Kollege Peter Wicke, zugegen.

 Der BDF-Landesvorsitzende Fred Josef Hansen; Bild © Gerhard Tenkhoff
Der BDF-Landesvorsitzende Fred Josef Hansen; Bild © Gerhard Tenkhoff

Kollege Hansen betonte, dass die Wahl wichtig und richtig war und in die Zukunft zeige. „Egal wo wir leben, wir sind vom Wald abhängig. Auch in den Städten“, so Hansen. Dabei habe der Wald im urbanen Raum andere, aber nicht weniger wichtige Aufgaben zu erfüllen, als der Wald in ländlichen Regionen. Vor dem Hintergrund des Klimawandels, der die Wälder insgesamt bedroht, verwies Hansen darauf, dass nur ein vitaler Wald in allen nötigen Facetten dem Gemeinwohl dienen kann. Wald bewirke Wohlbefinden und sei ein Lehrer, denn er zeige, wie eine perfekte Kreislaufwirtschaft funktioniert. Das alles passiere in urbanen Wäldern vor der Haustür. „Vitale Wälder sind die Voraussetzung für vitale Menschen“ brachte Hansen es auf den Punkt.

Der Vorsitzende des Ruhrparlaments, Josef Hovenjürgen MdL, betonte, dass man im Ruhrgebiet stolz auf die Auszeichnung sei. Heute gebe es hier beispielsweise 70.000 Hektar mehr Wald, Wiesen und Wasserflächen als 1990. Vieles werde besser, dass sollte man auch so benennen, so sein Appell.

Der Waldbeauftragte des BMEL, Cajus Caesar, verwies darauf, dass die Bewirtschaftung des deutschen Waldes weltweit vorbildlich sei. Holz sei ein umweltfreundlich erzeugter Rohstoff und Waldbewirtschaftung ermögliche integrativ Naturschutz auf gesamter Fläche. War es früher oftmals das vorrangige Ziel, Flächen überhaupt wieder zu bewalden, gehe es heute darum, diese Wälder weiterzuentwickeln. „Wir wollen Vielfalt und Strukturreichtum“, so Caesar. Dabei sei man im Forstbereich nicht auf den schnellen Euro aus, Forstleute denken in Generationen.

Der Leiter der Abteilung Forsten im MULNV des Landes NRW, Ministerialdirigent Hubert Kaiser, erläuterte angesichts der enormen Trocknis- und Borkenkäferschäden kurz die vom Ministerium zur Verfügung gestellten Fördermöglichkeiten.Der Geschäftsführer der SDW NRW, Gerhard Naendrup, erzählte, dass er, auf seine Herkunft aus dem Ruhrgebiet angesprochen, bis heute oft gefragt würde, „gibt´s da überhaupt Wald?“ Das Image des Ruhrgebietes sei nach wie vor problematisch. Dabei gebe es, genau betrachtet, selbst in Kernzonen 10 bis 11 % Wald. „Das Ruhrgebiet ist grüner als man denkt“ und „Grüne Infrastruktur ist ein Zukunftsthema“ fasste Naendrup die Situation mit Blick auf die vorstehende Frage zusammen.

 

Die nachfolgenden Themenrunden wurden durch einen Impulsvortrag von Herrn Thomas Kämmerling, Betriebsleiter des Eigenbetriebes RVR Ruhr Grün beim Regionalverband Ruhr, eingeleitet. Der Regionalverband Ruhr ist der Zusammenschluss der 11 kreisfreien Städte und vier Kreise in der Metropole Ruhr mit rund 5,1 Millionen Einwohnern, der Eigenbetrieb bewirtschaftet hier rund 14.500 Hektar Wald. Eingangs stellt Kämmerling die Gebietskulisse der Urbanen Wälder Rhein / Ruhr vor. Hier liegen 24 Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Die Waldfläche liegt bei 18 %, das sind zusammen ungefähr 130.000 Hektar. Davon sind 54 % Privatwald und 32 % Körperschaftswald. Landes- und Bundeswald bringen es zusammen auf 14 %. Die Wälder bestehen zu 72% aus Laubholz, hier mit 24% führend die Eiche, und zu 28% aus Nadelholz. Im Focus der Bewirtschaftung stehen die Erholungs-, Schutz- und Nutzfunktionen. Rund 6.500 Kilometer Wanderwege erschließen die Wälder. Wälder bieten Ruhe, gute Luft und einen Puffer gegen Wetterextreme. „Großstadtwald ist maßgeblich für das Stadtklima“, betonte Kämmerling. Bewirtschaftete Wälder seien zudem die naturnaheste Form der Landnutzung. Anders als bei anderen Flächennutzungen, bei denen ein Artenschwund festzustellen ist, sei hier der Index der Artenvielfalt in den letzten Jahren konstant geblieben. Auf ehemaligen Industrieflächen werde eine Waldbodenentwicklung aus zweiter Hand in Gang gesetzt. Im Gebiet befänden sich rund 1 Million Habitatbäume und 2,5 Millonen Kubikmeter Totholz. Der Holzzuwachs liege bei 1,5 Millionen Kubikmetern/Jahr, die Nutzung bei etwa 1,15 Millionen Kubikmetern. Bei einem Bedarf der Region von rund 8 Millionen Kubikmetern Holz/Jahr müssen daher 85% des Holzes eingeführt werden.

 

Kämmerling wies darauf hin, dass die Waldbewirtschaftung die Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes mit finanziert. Allerdings stehe die Forstwirtschaft hier besonders im Spannungsfeld von Holznutzung und den Ansprüchen der Bevölkerung an den Wald und seine Bewirtschaftung. Die Ansprüche an den Großstadtwald sind größer als die Summe seiner Leistungen. Die gemeinsame Aufgabe sei, Ökosystem und Forstbetriebe zu unterstützen. Die hiesigen Forstleute sind bemüht, den Ansprüchen der Bevölkerung an den Wald gerecht zu werden. Leider sei man, obwohl von der Witterung sehr betroffen, bislang bei Fördermitteln nur nachrangig berücksichtigt. „Wichtigstes Instrument der Waldpolitik ist der Dialog“, schloss Kämmerling seine Ausführungen.

Josef Hovenjürgen MdL, Waldbeauftragter der Bundesregierung Cajus Caesar, Ministerialdirigent Hubert Kaiser und der Geschäftsführer der SDW NRW Gerhard Naendrup; Bild © Gerhard Tenkhoff
Josef Hovenjürgen MdL, Waldbeauftragter der Bundesregierung Cajus Caesar, Ministerialdirigent Hubert Kaiser und der Geschäftsführer der SDW NRW Gerhard Naendrup; Bild © Gerhard Tenkhoff

Die erste der beiden nachfolgenden Themenrunden stand unter der Überschrift

„Wald für … Kopf und Herz“Dr. Gertrud Hein von der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW erläuterte zur Frage, wie gut Menschen mit dem Wald umgehen, dass viele Menschen bei der Nutzung des Waldes offenbar nicht vor Augen haben, dass der auch jemandem gehört. Auch hier müsse man zu einem guten Miteinander kommen. Über Umweltbildung soll der Wald den Leuten als Lebensraum vorgestellt werden, ihm sei Wertschätzung entgegenzubringen. Die Menschen müssen lernen, pfleglich mit Wald und Natur umzugehen. „Naturerlebnisse wirken vorteilhaft auf die körperliche, soziale und seelische Entwicklung von Kindern“ betonte sie.

 

Paul Schmitz, Leiter der Forstabteilung der Stadt Düsseldorf und Sprecher der AG Großstadtwald NRW fügte zum Stichwort Wertschätzung an, dass erst durch den Sturm Ella vielen Menschen klar geworden sei, wie verletzlich der Wald ist. Erlebnisse im Wald sind wichtige Bausteine im Leben vieler Menschen. Die Leute wollen, dass es dem Wald gut geht. Angesichts der vielen toten Bäume steige die Sorge um den Wald.

Axel Dohmen, Leiter der Waldschule im Märkischen Kreis e.V. betonte, man müsse gerade Kinder sensibel dafür machen, in den Wald zu gehen und ihnen Zugang zur Natur zu geben. „Ein iPad riecht nicht“, brachte er die Notwendigkeit eines Walderlebnisses mit allen Sinnen auf den Punkt.

Oliver Bahlke vom Projekt „Industriewald Ruhrgebiet“ fragte, „was ist ein Wald wert?“ und betonte, dass sich das nicht allein in verdienten Euro zeige. Aufenthalte im Wald haben eine gesundheitsfördernde Wirkung. Das sei monetär kaum zu fassen. Wichtig sei es, Kinder an den Wald heranzuführen, wobei das Programm sein müsse: Kinder dürfen Kinder sein.

 

Es folgte die zweite Themenrunde „Wald für … Natur und Portemonnaie“Dr. Eberhard Piest, Leiter der Gräflich von Spee´schen Forstbetriebe verwies darauf, dass die gesetzliche Verpflichtung zur Wahrung der Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion für jeden Waldbesitzer gelte. Waldbesitzern in Ballungsräumen stelle sich dabei das Problem „halbe Erträge, doppelte Kosten“. Förderprogramme seien leider oft kompliziert und verursachten viele Verwaltungskosten. Besser seien Ökokonten, über die ein Waldbesitzer Einnahmen für Bewirtschaftungsbeschränkungen erzielen kann.

 

Dietrich Graf Nesselrode, Waldeigentümer und Vorsitzender der regionalen PEFC-Arbeitsgruppe NRW fügte an, Ökonomie und Ökologie müssen sich nicht ausschließen. Auch mit Bewirtschaftungsmaßnahmen kann die Ökologie gefördert werden. „Verzichten wir auf Holznutzung, verzichten wir auf ein Steuerungsinstrument im Wald“.

Ministerialdirigent Hubert Kaiser merkte an, dass Fläche endlich ist. Waldzuwachs gehe meist zu Lasten von landwirtschaftlichen Flächen. Dabei stelle sich die Frage „wo will ich Flächen anders nutzen“. Die Antwort werde sich aus einer demokratischen Entscheidung der politischen Gremien ergeben. Er rief in Erinnerung, dass die Bedeutung grüner Infrastruktur mit jedem zehntel Grad wachse, um das die Temperatur ansteige. Heute könne Wald im städtischen Raum nicht mehr nur als Flächenreserve für andere Nutzungen gesehen werden. Vielmehr habe er einen eigenen Wert.

Norbert Blumenroth, Leiter der Natur- und Umweltschutzakademie NRW sagte, dass Urbane Wälder ein unglaublicher Totholzreichtum und eine große Artenvielfalt auszeichne. Allerdings litten gerade kleine Wälder sehr unter dem Erholungsdruck, da sie immer intensiver durch Bürger genutzt würden.

Zur Frage, ob die gesellschaftlichen Werte die Ergebnisse aus Holzerlösen überwiegen, merkte Markus Wolff, Leiter der technischen Betriebe Remscheid, an, dass auf der Rechnung für viele Produkte nicht der wahre gesellschaftliche Preis stehe. Externe Kosten würden nicht eingepreist. Er halte ein neues Waldbewusstsein für erforderlich. Wald sei systemrelevant. Für den Stadtwald Remscheid sei versucht worden, die Systemleistungen monetär zu beziffern. So liege der Erlös aus dem Holzverkauf bei höchstens 1 Millionen Euro jährlich. Demgegenüber schaffe der Wald durch seine Wirkungen auf Erholung, Gesundheit und sonstige Vorteile einen Wert von jährlich 25 Millionen Euro, allerdings ohne das die Gesellschaft diese Leistung bezahlt. Dieser Wert müsse in das Bewusstsein der Bevölkerung gebracht werden.

Waldbaden...auch in Schwerte möglich; Bild © Gerhard Tenkhoff
Waldbaden...auch in Schwerte möglich; Bild © Gerhard Tenkhoff

Die einzelnen Diskussionsrunden wurden von auflockernden kulturellen Beiträgen eingerahmt. Vorgetragen wurden klassische Klavierstücke und beliebte Operettenlieder. Besonders zu erwähnen sind die Kabaretteinlagen des Kollegen Thomas Wullenweber, Revierleiter im Sauerland. Seine humoristische Vorstellung der Weltsicht des klassischen Sauerländers im täglichen Ringen mit dem Besucher aus dem Ruhrgebiet und sein wortgewitzter Zustandsbericht des Sauerländer Waldes sorgten für große Heiterkeit.

 

Im Anschluss an die Themenrunden übergab der BDF-Bundesvorsitzende Ulrich Dohle die Auszeichnung „Waldgebiet des Jahres 2019“ stellvertretend für die vielen Waldbesitzer und im Wald beschäftigten an Ministerialdirigent Hubert Kaiser. Forstdirektor Andreas Padberg, Leiter des Forstbetriebes Leipzig und Matthias Müller, Bürgermeister der Gemeinde Wermsdorf, Vertreter des Wermsdorfer Waldes als Träger der Auszeichnung „Waldgebiet des Jahres 2018“, übergaben Ministerialdirigent Kaiser verbunden mit herzlichen Grüßen aus Sachsen den Staffelstab, der für jedes ausgewiesene Waldgebiet des Jahres eine Gedenkplakette trägt. Zur Übergabe der Auszeichnung hatte Dohle alle im Saale anwesenden, die im Gebiet der Urbanen Wälder Rhein / Ruhr forstlich tätig sind oder waren, auf die Bühne gebeten, weil letztlich sie es seien, deren Arbeit gewürdigt würde. Dies gelang angesichts der großen Zahl der Beteiligten nur, indem alle eng zusammenrückten.

 

Ministerialdirigent Kaiser erklärte sich froh, den Preis für diese Region übernehmen zu dürfen. Seinen Worten „viele Menschen haben sich diesem Thema gewidmet, für die Bürger in NRW Wald zu erhalten, Kultur zu erhalten“ schloss sich brandender Applaus an. Zum Abschluss dankte der BDF-Bundesvorsitzende Ulrich Dohle den Beteiligten, die zum Gelingen der Festveranstaltung beigetragen haben. Für den Bereich Organisation dankte er der Bundesgeschäftsführerin Ines von Keller und insbesondere der Geschäftsstelle des BDF-NRW in Person von Marion Fuchs, Ute und Richard Nikodem.

Dohle bekräftigte das Bestreben der Forstleute, die großen Herausforderungen der aktuell auf den Wald einwirkenden Probleme zu meistern. Hierbei sei ein Vorteil des BDF, eine Mitmachgewerkschaft und kein bezahlter Funktionärsverband zu sein. BDF-Mitglieder seien täglich draußen und haben damit die praktische Nähe zum Wald. „Machen Sie weiter mit bei der berufsständischen Arbeit“ appellierte er an die Anwesenden. Claus Gröger


Pressemitteilung des BDF Bund vom 21. Mai 2019:

Am Dienstag, den 21.05.2019, wurde der Titel „Waldgebiet des Jahres“ für das Jahr 2019 an „Urbane Wälder Rhein/Ruhr verliehen. Für den Bund Deutscher Forstleute (BDF), der diese Auszeichnung alljährlich vergibt, ist es vorbildlich, wie die Forstleute es dort schaffen, nachhaltig und ökologisch zu wirtschaften und es in besonderer Weise gelingt, den starken Erholungsdruck mit dem Naturschutz und der forstlichen Nutzung in Einklang zu bringen.

 

Im letzten Jahr wurde bereits zum achten Mal ein Waldgebiet des Jahres gekürt und vom BDF ausgerufen. Der Meulenwald als Waldgebiet 2012, der Solling in 2013, der Schönbuch in 2014, der Grunewald 2015, der Küstenwald Usedom 2016, der Frankenwald 2017 und der Wermsdorfer Wald in 2018 wurden medial mit großer Resonanz aufgenommen und stoßen besonders in der Region auf großes Interesse. BürgerInnen, Forstleute, Politik und zahlreiche Partner des Waldes feiern die Auszeichnung eines vorbildlichen und in allen Bereichen nachhaltig bewirtschafteten Ökosystems.


Deutschlands Waldgebiet des Jahres 2019, die Urbanen Wälder Rhein/Ruhr, wurde heute in
Schwerte ausgezeichnet. Das mit über 130.000 ha sehr große Waldgebiet präsentiert in der Regionnur einen Waldanteil von etwa 18 Prozent. Der Wald spielt aber gerade in den urbanen Zentren eine sehr große Rolle. Viele Menschen nehmen Anteil an ihm. Er bedeutet Klimaschutz und macht die Städte erst lebenswert.

Der BDF-Bundesvorsitzende Ulrich Dohle überreichte vor zahlreichen Gästen aus Politik und
Gesellschaft sowie Vertretern der Bürgerinnen und Bürgern aus NRW den Preis stellvertretend für alle Forstleute an Hubert Kaiser, Landesforstchef von NRW, der auf der Veranstaltung die Ministerin Heinen-Esser vertrat.

„Wir gratulieren den Gewinnern ganz herzlich. Sie leisten eine hervorragende Arbeit“, so Ulrich Dohle, Bundesvorsitzender des BDF. „Die Forstleute von Rhein und Ruhr bewirtschaften „ihren“ Wald naturnah und verantwortungsvoll und sorgen mit zahlreichen Partnern für den nachhaltigen Schutz, eine sorgfältige Pflege und ermöglichen so die vielfältige Nutzung“, so Dohle weiter. „Besonders bemerkenswert ist die große soziale Kompetenz der KollegInnen, die in städtischen Wäldern notwendig ist.“


Für Ulrich Dohle ist vor allem der Ausgleich der unterschiedlichsten Ansprüche der Waldinteressierten von besonderer Bedeutung. Hier leisteten die FörsterInnen tagtäglich Konfliktmanagement.


In der Diskussion wurde wiederholt auch die Rolle des Waldes als Klimaschützer betont und dass der Wald gerade selbst sehr stark unter den Auswirkungen des Klimawandels zu leiden hat und an die Grenzen der Belastbarkeit kommt. Teilweise lösen sich einige Waldflächen durch Dürre und Borkenkäfer auf. Große Anstrengungen sind notwendig, diese Flächen wieder mit neuen Bäumen zu bepflanzen. Insgesamt ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, das Klima und damit auch den Wald zu schützen. Die Forstleute leisten dabei unermüdlich ihren Teil.


Die ursprünglich für den 21. März – dem Internationalen Tag der Wälder - geplante Auszeichnungsveranstaltung musste aufgrund von großen Sturmschäden im Wald verschoben
werden. Die Forstleute wollten sich lieber um den ihnen anvertrauten Wald kümmern, als zu feiern.

 

Zusätzlich wurde in verschiedenen Diskussionsrunden die Rolle der Urbanen Wälder Rhein/Ruhr für die Menschen (Erholung, Gesundheit), den Naturschutz aber auch als Wirtschaftsort diskutiert. Dabei wurde klar, dass die Wälder unterschiedlichste Funktionen erfüllen sollen und dies bei entsprechendem Engagement und guter Kommunikation auch klappt. Ausreichend Forstpersonal vorausgesetzt.

Abgerundet wurde die feierliche Zeremonie noch durch die Übergabe des Staffelstabes von Andreas Padberg, Leiter des Forstbezirks Leipzig, und Repräsentant des letztjährigen Waldgebiet des Jahres. BDF Bund


Auftakttermin zum Waldgebiet des Jahres 2019 21. Mai 2019
Foto: © Ute Messerschmidt

17.04.2019

Seit letztem Monat haben wir viel überlegt, geplant, telefoniert, gemailt, koordiniert und abgewogen - seit heute ist es offiziell: Der neue Termin für die Feierlichkeiten zum Waldgebiet des Jahres 2019 - urbane Wälder Rhein/Ruhr steht!

wann?

Dienstag, den 21. Mai 2019 ab 13:00 Uhr

wo?

Freischütz Schwerte

Anmeldung?

bitte bis zum 6. Mai 2019 unter kontakt@bdf-nrw.de

   
Programm:  
13:00 Uhr

Begrüßung durch Ulrich Dohle (BDF-Bundesvorsitzender)

 

Grußworte

  Josef Hovenjürgen MdL, Vorsitzender Ruhrparlament
  Cajus Caesar, Waldbeauftragter des BMEL
  Gert Naendrup, Geschäftsführer der SDW NRW
  Impulsvortrag Anforderungen an den Großstadtwald
  Thomas Kämmerling, Leiter RVR Ruhr Grün
  Diskussionsrunden zum Thema "Wald für...
  ...Kopf und Herz"
  ...Natur und Portemonnaie"
anschließend Auszeichnung zum Waldgebiet des Jahres 2019 - urbane Wälder Rhein/Ruhr
ca. 16:00 Uhr Ende der Veranstaltung

Im Vorfeld der Feier zum Waldgebiet des Jahres 2019 findet exclusiv für unsere Mitglieder ein außerordentlicher nicht öffentlicher Landesdelegiertentag statt.

Diesen möchten wir dazu nutzen, möglichst viele Kolleginnen und Kollegen aller Waldbesitzarten zusammenzuführen und mit aktuellen forst- und berufspolitischen Informationen zu versorgen. Außerdem möchten wir ein Plenum schaffen, in dem darüber gesprochen wird, wie Sie als Betroffene mit neuen Chancen und Risiken umgehen.

 

Sie sind Mitglied und haben noch keine Einladung erhalten?


15.03.2019

Am 22.03.2019 sollte im Rahmen der Auftaktveranstaltung zum Waldgebiet des Jahres 2019 – urbane Wälder Rhein/Ruhr die Arbeit und Leistungen der Forstkolleginnen und Forstkollegen im Besonderen herausgestellt und geehrt werden. Sie alle werden momentan - vermutlich eher am eigenen Leib als durch die zeitgleiche Berichterstattung – die aktuelle Situation im „Arbeitsplatz Wald“ mitbekommen: Aufgrund der Folgen der derzeitigen extremen Wetterlage sehen wir uns gezwungen, die Auftaktveranstaltung zum „Waldgebiet des Jahres 2019 für den 22.03.2019 abzusagen und zu verschieben. Die extrem hohe Arbeitsbelastung aller Beteiligten bei der Bewältigung der Borkenkäfersituation bereits in den letzten Monaten wurde und wird von den Sturmereignissen der letzten Tage noch extrem verschärft.

 

Es wundert uns daher nicht, dass uns in den letzten Tagen viele Absagen von Kolleginnen und Kollegen erreichen, die die ihnen übertragene Verantwortung für Ihren Arbeitsbereich sehr ernst nehmen. Oberste Priorität hat für uns alle die Wiederherstellung der Sicherheit für unsere Bürgerinnen und Bürger, gerade im Ballungsraum an Rhein und Ruhr.

 

In einer kurzfristig angesetzten Telefonkonferenz mit den Initiatoren vom BDF Bund und BDF NRW wurde entschieden, die Veranstaltung in den Zeitraum Ende Mai 2019 zu verschieben. Wir befinden uns gerade in der Terminabstimmung und sind dabei alle „Komponenten wieder zu synchronisieren“.

 

Angedacht ist nun, vor der Auftaktveranstaltung zum Waldgebiet des Jahres ab mittags, vormittags einen außerordentlichen Landesdelegiertentag abzuhalten. Es geht uns dabei nicht darum, Beschlüsse zu fassen. Auf ein Antragsverfahren, wie es bei Delegiertentagen sonst üblich ist, kann von Seite des geschäftsführenden Vorstands aus daher verzichtet werden.

 

Wir möchten die Gelegenheit nutzen, möglichst viele Kolleginnen und Kollegen zusammenführen und mit aktuellen Informationen zur Privatisierung des Holzverkaufs und zur Einführung der direkten Förderung der Betreuung zu versorgen. Außerdem möchten wir ein Plenum schaffen, in dem darüber gesprochen wird, wie die Betroffenen mit dieser neuen Situation umgehen und welche Erwartungen sie an Ihren Berufsverband und an Ihren Arbeitgeber haben.

 

So werden wir in einer dann hoffentlich entspannten Atmosphäre und dem Anlass entsprechend mit vielen Kolleginnen und Kollegen den Tag gemeinsam verbringen können. Darauf freuen wir uns!


"Tief im Westen, wo die Sonner verstaubt, ist es besser, viel besser, als man glaubt" (Herbert Grönemeyer)   Foto © Ute Messerschmidt
"Tief im Westen, wo die Sonner verstaubt, ist es besser, viel besser, als man glaubt" (Herbert Grönemeyer) Foto © Ute Messerschmidt

 

Du bist keine Schönheit

 

Januar 2019

Warum wir an Rhein und Ruhr das perfekte Waldgebiet des Jahres haben

 

Die Groß(stadt)region Rhein – Ruhr verbindet man gemeinhin nicht mit einem klassischen Waldgebiet. Herbert Grönemeyer erklärte schon 1985, warum die Wahl des Waldgebietes des Jahres 2019 genau ins (Kohlenstaub)Schwarze trifft.

 

Tief im Westen

Die Region wurzelt tief im Westen in unmittelbarer Nachbarschaft zu unseren europäischen Nachbarn, mit denen wir eine lange, gemeinsame Geschichte und eine seit vielen Jahren tatsächlich grüne Grenze teilen, die mittlerweile mehr verbindet als trennt.

 

Wo die Sonne verstaubt

Als Kinder von Eltern aus dem Kohlenpott haben wir in den Siebzigerjahren die Sonne tatsächlich noch verstaubt gesehen. Seit Beginn der Achtzigerjahre sprach alle Welt vom Waldsterben und dem Sauren Regen. Zwar kriselte die Kohle da schon seit zwanzig Jahren, die Folgen von Luftverschmutzung und Verkehr zeichneten die Städte jedoch immer noch. Die umliegenden Wälder sollten in ihren Ursprüngen die Luft reinhalten; mit dem „Entwicklungsprogramm Ruhrgebiet“ wurden seit 1968 Freizeitparks, Grünanlagen und Teichlandschaften geschaffen, um das Leben in den Städten lebenswerter zu gestalten.

 

Pulsschlag aus Stahl

Im Herzen Nordrhein-Westfalens liegt es, mit dem Land verbunden über Verkehrsadern, in denen täglich Millionen von Menschen in Bus, Bahn und Auto pulsieren und die Städte mit Leben erfüllen. Die Zeiten von Stahl, Eisen und Grubengold sind allerdings ein für alle Male vorbei. Allein zwischen 1976 und 1998 ging die Zahl der Beschäftigten in diesen klassischen Bereichen um 60% zurück.

 

Leider total verbaut

Schön war es nicht überall an Rhein und Ruhr, als Grönemeyer sein Lied sang. Kurze Zeit später läuteten die Impulse der IBA Emscher Park eine Zeitenwende ein. Mit der Route Industriekultur, moderner Architektur auf ausgedienten Zechenstandorten, dem Projekt Industriewald, touristischen Hotspots und alternativen Verkehrsstrukturen gelang es langsam und sicher, die Region aus der grauen Arbeitsecke ins Licht der Öffentlichkeit zu holen.

 

Nicht das große Geld

1979 stellte man altgediente Recken wie das Schiffshebewerk Henrichenburg in den wohlverdienten Ruhestand des ersten Museums für Industriekultur. Nur etwas mehr als zehn Jahre später zu Beginn der Neunzigerjahre nutzte die Region die Chancen des beginnenden Digitalisierungsbooms und bietet seitdem Platz für eine Vielzahl von Startups und Giganten dieser Branche.

 

Du bist keine Weltstadt

Doch, Rhein – Ruhr ist eine große Weltstadt, die Menschen aus über 200 Herkunftsländern Heimat, Leben und Arbeit bietet. Ausdruck fand diese Vielfalt unter anderem 2010 als Europäische Kulturhauptstadt mit tausenden Veranstaltungen. Die Menschen in der Region spiegeln die Geschichte ihrer Vorfahren und ihre eigenen Hintergründe und gelten als ungeschminkt, bescheiden und als ehrliche Haut.

 

Du Blume im Revier

130.000 Hektar Wald zwischen Bonn, Duisburg und Hamm liegen zwar nicht idyllisch am Stück, aber zur Freude und zum Nutzen der vielen, vielen Menschen mitten im Herzen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes. Dieser Wald gehört privaten Waldbesitzern, Kommunen, dem Land, wird bewirtschaftet von Eigentümern, eigenen Forstwirten, Dienstleistungsunternehmen, manchmal auch gar nicht.

 

Verstaubt, vergraut, verbaut, geliebt, gebraucht – viel besser als man glaubt, viel besser als man glaubt.

Ute Messerschmidt

 


Waldgebiet des Jahres 2019!

 

23.11.2018

Der Bund Deutscher Forstleute als Berufsverband und Gewerkschaft aller im Wald beschäftigten Menschen ruft zum achten Mal bundesweit ein Waldgebiet des Jahres aus. Die Urbanen Wälder Rhein-Ruhr werden für 2019 wegen Ihrer besonderen Bedeutung für die Menschen und für die Natur im Ballungsraum an Rhein und Ruhr mit dieser wichtigen Auszeichnung geehrt. Damit wird erstmals ein nordrhein-westfälisches Waldgebiet mit dieser Auszeichnung ins Blickfeld der Öffentlichkeit gehoben.

 

Erstmals fiel die Wahl des BDF Bundesverbandes dabei nicht auf einen bestimmten, eng abgegrenzten Waldkomplex mit seinen spezifischen Besonderheiten sondern auf einen ganzen Kulturraum mit vielfältigen Waldfunktionen, einer bunten Palette von Eigentümern, Nutzern und Interessierten.

 

Der Wald in Nordrhein-Westfalen wurde in den letzten Jahrhunderten durch den wirtschaftenden und gestaltenden Menschen zu einer intensiv genutzten Kulturlandschaft geformt. Gleichzeitig ist er aber auch der wichtigste Rückzugsraum für den Naturschutz. Das gilt in besonderem Maß im Ballungsraum Rhein/Ruhr. In der öffentlichen Wahrnehmung wird hier Waldbewirtschaftung oftmals als Frevel an der Natur empfunden. Freizeit- und Erholungsnutzung, Umweltbildung und Naturschutz treten in der Wertschätzung der Menschen an erste Stelle. Die Pflege des Waldes, die Verkehrssicherung und die Bedeutung des Rohstoffes Holz für die nordrhein-westfälische Wirtschaft und für das Einkommen der Waldbesitzer im Privatwaldland Nordrhein-Westfalen erfordern aber regelmäßige Eingriffe im Wald.

 

Forstliche Bewirtschafter in den Urbanen Wäldern RheinRuhr müssen daher neben ihrem forstfachlichen Können auch über besondere soziale Kompetenzen verfügen, wenn sie diesen Spagat zwischen allen geforderten Waldfunktionen meistern und in dieser Region erfolgreich agieren wollen. Sie benötigen Verständnis für urbane Ökosysteme, für Urbanität an sich, sowohl in sozialer als auch in ökologischer Hinsicht. Ein Verständnis für Akteure des urbanen Raumes und eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit, Dialogbereitschaft, Lernfähigkeit sind ebenso wichtig wie ein gutes Konfliktmanagement. Es geht um die Moderation von Gesprächen und Mediation bei Konflikten. Ihre Arbeit muss kommuniziert werden um alle Beteiligten in die Entscheidungen einzubeziehen. Hierzu sind Pressekompetenz und Marketing-Fähigkeiten gefragt. Nur dann gelingt die Zusammenarbeit und Kooperation aller Akteure. Wer da nicht mit Geduld, Neugier, Toleranz, Kritik- und Selbstkritikfähigkeit ausgestattet ist schafft es nicht, dieser spannenden Aufgabe gerecht zu werden.

 

Viele Akteure werden im Jahr 2019 die Bedeutung dieses ganz besonderen Waldgebietes Urbane Wälder RheinRuhr in zahlreichen Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Aktionen aufgreifen. Dabei wird deutlich, welch enorme gesellschaftliche Bedeutung der Wald in diesem Ballungsraum mit seinen 10,6 Mio. Menschen hat und welcher wichtigen Aufgabe sich die Forstleute stellen um den vielfältigen parallel gestellten Ansprüchen gerecht zu werden. R.N.