Der Ticker 03-2016 Weihnachtsgruß

19.12.2016

Weihnachtsgruß

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zum Abschluss dieses ereignisreichen Jahres möchte ich einige Gedanken und Hoffnungen mit Ihnen teilen.

Zeit heilt viele Wunden. Aber nicht alle und viele nicht so schnell, wie wir es gerne hätten. Im besten Fall lehrt uns die Zeit, mit dem Geschehenen zu leben und daraus zu lernen.

10 Jahre nach der Kyrill-Katastrophe sind die damaligen Ereignisse bei den Beteiligten und Leidtragenden noch nicht vergessen, geschweige denn abschließend verarbeitet.

Im Sturm selbst sind 13 Menschen zu Tode gekommen. In Nordrhein-Westfalen starben bei den Aufräumarbeiten in den betroffenen Wäldern weitere sechs Menschen, mehr als 700 Unfälle wurden gezählt.

Der Orkan verursachte einen wirtschaftlichen Schaden von 2,4 Milliarden Euro. In Einzelfällen hat dies den Verlust der gesamten wirtschaftlichen Existenz bedeutet.

Über die Aufarbeitung des Sturmholzes im eigenen Betrieb erzählte mir eine gestandene Waldbäuerin mit Tränen in den Augen. „Ich habe immer wieder gebetet, dass mein Mann und mein Sohn gesund nach Hause kommen. Bis heute bin ich diese Angst nicht losgeworden, wenn mein Sohn in den Berg (Wald) geht.“

Aber auch unsere Kolleginnen und Kollegen leiden noch heute unter den traumatischen Ereignissen. Immer noch sind einige wegen Burnout oder posttraumatischen Störungen in therapeutischer Behandlung.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass wir auf den nächsten Sturm besser vorbereitet sind. Unsere Aufgabe und Herausforderung nach Kyrill war und ist es, den Wald an die veränderten Umweltbedingungen anzupassen. Gemeinsam mit dem Waldbesitz müssen wir an klimastabilen Wäldern und an Konzepten zur Bewältigung des nächsten Sturms arbeiten, um zukünftige Schäden möglichst zu vermeiden oder klein zu halten.

Lassen Sie uns zurückblicken, um still und respektvoll um die Opfer zu trauern. Ehrlich, menschlich, empathisch und in einem würdevollen Rahmen.

Lassen Sie uns gemeinsam wieder optimistisch in die Zukunft sehen. Einer Zukunft, die durch die Verabschiedung der Änderung des Bundeswaldgesetzes wieder vorhersehbar geworden ist.

Die Kolleginnen und Kollegen des Landesbetriebs beruhigt die gute Aussicht, dass in NRW eine Einheitsforstverwaltung erhalten bleiben wird. Für andere nicht „staatliche“ Kolleginnen und Kollegen werden sich vermehrt Chancen in der Dienstleistung am Markt ergeben. Da das Gesetz einen Evaluierungsvorbehalt für einen - gemessen an der heutigen Zeit - langen Zeitraum hat, gibt es berechtigte Hoffnung, in ruhigeres Fahrwasser zu kommen.

Die Abstimmung im Bundestag darf als Erfolg des BDF BUND und NRW gewertet werden. Nach in- und externen Beratungen und harten Diskussionsrunden haben wir den entscheidenden Kompromissvorschlag in das stockende Verfahren eingebracht. 

Wir werden sicherlich den Holzverkauf ab Waldweg durch Dritte und die Möglichkeit der direkten Betreuung in Zukunft erleben, aber diese Entwicklung ist dem BDF nicht neu und in NRW auch nicht unbekannt.

Der BDF erwartet in diesem Zusammenhang aber auch, dass sich der Landesbetrieb Wald und Holz, Nordrhein-Westfalen noch mehr als bisher um die Gemeinwohlwirkungen des Waldes kümmert.

Und noch ein Gedanke zum Schluss:

Liebe KollegInnen, lassen Sie uns intern weiter möglichst konstruktiv streiten, intelligente Lösungen für die Weiterentwicklung unserer Sache erarbeiten und diese stark und geschlossen nach außen kommunizieren. Das sind wir. Das macht uns als BDF aus. Und dafür bedanke ich mich ausdrücklich bei Ihnen Allen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein ruhiges und entspanntes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch in ein erfolgreiches, gesundes 2017.

 

Fred Josef Hansen